Tabu von Psychischen Störungen

Warum werden emotionale, psychische Störungen und Erkrankungen immer noch tabuisiert?
Die Gründe dafür sind vielfältig, zum einen geprägt durch eine Anzahl von Vorurteilen, Halbwissen, Uninformiertheit und Desinteresse, zum anderen durch historische Aspekte und auch der langjährigen Favorisierung von Pharmazeutikas. Wenn es einem Menschen nicht gut geht, er psychisch leidet, das Leiden sich aber deutlich innen abspielt, sagen wir mit unserer deutschen Mentalität, „Er soll sich nicht so anstellen oder sich zusammen reißen". Psychisches und emotionales Leiden wird zu voreilig und unbedacht mit Geisteskrankheit, Dummheit oder mangelndem Willen in Verbindung gebracht. „Wer zum Seelenklempner geht, hat einen Dachschaden", so eine alltägliche Beschreibung. Seit geraumer Zeit findet jedoch ein Umlernprozess statt, der unter anderem auch durch Selbsthilfegruppen und Literaturratgeber in Gang gesetzt wird. Viele ehemalige Patienten raten auch anderen Betroffenen eine psychotherapeutische Fachhilfe aufzusuchen. Psychisches und psychiatrisches Leiden hatte in unserer Gesellschaft noch nie eine große Lobby. Den betroffenen Patienten ergeht es viel zu schlecht, als dass sie sich für Verbesserungen einsetzen könnten, und das Fachpersonal in Klinik und Praxis ist mit der inhaltlichen Arbeit derart ausgelastet, dass für Öffentlichkeitsarbeit keine Zeit mehr bleibt.

Der Laie kennt inzwischen eine Menge Fachärzte und weis auch deren Bedeutung, aber den Unterschied zwischen einem Psychiater, Neurologen und Psychotherapeuten weis er nicht. Ganz grob skizziert kann man sagen, dass das Hauptarbeitsgebiet eines Psychiaters die Behandlung von organisch bedingten psychischen Störungen sind, wobei die psychopharmazeutische Behandlung eine wesentliche Rolle spielt. Der Neurologe befasst sich vorwiegend mit organischen Störungen des Nervensystem. Das Spezialgebiet der Psychotherapeuten sind psychische Störungen, die nicht organisch bedingt sind.

Niemand muß sich schämen, wenn er ein gebrochenes Bein hat, niemand muß sich schämen, wenn er eine Muskel- oder Nervenentzündung hat und niemand muß sich schämen, wenn er unter psychischen Störungen leidet. So wie sich tatsächlich jeder ein Bein brechen kann, Entzündungen und Allergien sich einstellen können, so kann auch tatsächlich jeder an einer psychischen Störung erkranken. Patienten warten zu lange bis sie sich professionelle Hilfe holen....

Wenn psychisch erkrankte Menschen solange auf einen Therapieplatz warten müssen, ist es nicht dann verständlich, dass sie sich in die Hände andere selbsternannter Therapeuten begeben?
Ja leider und das ist erschreckend. Das Seelengeschäft boomed auf den freien Markt immer noch. Nicht selten wird durch eine Falschbehandlung von selbsternannten „Therapeuten und Handauflegern" das Leiden noch verstärkt oder sogar schlimmeres Leid ausgelöst. Nicht selten wird das dann damit erklärt, dass genau das zur Veränderung dazu gehört. Häufig wissen die Betroffenen nicht, was sie tun sollen. Die Dunkelziffer von psychisch Erkrankten ist sehr groß. Aus Untersuchungen wissen wir, dass in aller Regel nach Auftreten einer psychischen Symptomatik ein Patient erst nach vielen Jahren in eine psychotherapeutische Behandlung kommt. Der Grund dafür liegt nicht allein daran, dass es Wartelisten gibt. Das Thema ist tabuisiert, vorurteilsbelastet und peinlich, und da muß sich in unseren Köpfen etwas verändern, dann haben es auch Scharlatane schwer. Betroffene sollten sich nur an klinisch ausgebildete Fachleute wenden. Das erste Gespräch über das psychische Leiden kann auch der Hausarzt sein.

Werden wir hier in Deutschland ähnliche Verhältnisse bekommen wie in Amerika, wo jeder seinen Psychotherapeuten hat?
Die Akzeptanz in den Vereinigten Staaten gegenüber der Psychotherapie ist eine größere als hier bei uns, deshalb spricht man dort auch freizügiger über diese Behandlungen. Die psychischen Erkrankungen hier wie dort sind nicht höher aber auch nicht niedriger als in anderen vergleichbaren Ländern. Es hat dort auch nicht jeder seinen Psychotherapeuten, sie gehen nur insgesamt mit dem Thema Psychotherapie anders um. Die Apparatemedizin und die sprechende Medizin werden dort gleichberechtigt gesehen und auch behandelt. Während wir hier aufgrund der Vorurteile eine völlig unzutreffende Aussage über die Amerikanischen Verhältnisse machen. Die Akzeptanz gegenüber der Psychotherapie wird auch hier immer größer, so dass damit die Dunkelziffern niedriger werden, was real also nicht heißt, dass die psychischen und emotionalen Symptome mehr werden, sondern die Betroffenen sich eher Fachhilfe holen. Es werden auch in Arztpraxen immer noch psychisch bedingte Störungen übersehen, zum einen mögen manche Betroffene darüber nicht direkt reden, da es ihnen sehr peinlich ist. Zum anderen stehen auch einige Ärzte den psychischen Symptomen hilflos gegenüber und tun sich selbst schwer, Patienten zu einer vorurteilsbelasteten psychotherapeutischen Behandlung zu überweisen. Weder in Amerika noch hier gehen die Patienten einfach so zum Psychotherapeuten, es liegt immer ein hoher Leidensdruck vor, denn sonst würden sie nicht die Strapazen einer Psychotherapie auf sich nehmen.


Psychotherapeutensuche

 
Es gibt verschiedene Datenbanken um auch im Internet nach Psychotherapeuten in Ihrer Nähe zu suchen. Jedoch: Nicht alle Kollegen haben sich registrieren lassen.  

 

Psychotherapie-Informations-Dienst PID - Psychotherapiesuche im Internet vom Berufsverband Deutscher Psychologen BDP 

 

Deutsche Psychotherapeutenvereinigung  

 

Bundes Psychotherapeutenkammer

 

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Arzt und Psychotherapieauskunft Niedersachsen