Was ist Seele ?

Die Psychologie war lange Zeit Teilgebiet der Philosophie.
Das philosophische und psychologische Denken und Forschen stellt hier die Frage:

Was ist die Seele?

Verständnis und Einsichten über Krankheiten in der menschlichen Geschichte

Aus Beschreibungen und der Archäologie wissen wir, dass in Prähistorischen Zeiten schon Einfluss auf das psychische Leiden genommen wurde. Mit der Trepanation (griech) wurde der Schädel des Betroffenen geöffnet, damit böse Geister aus dem Schädel entweichen konnten. Derartige Schädelfunde gehen bis ca. 6000 v. Chr. zurück, es konnten bisher verschiedene Methoden zur Öffnung der Schädelhöhle nachgewiesen werden: aufbohren, allmähliches Aufschaben der Schädelknochen, vier gerade Schnitte oder ein kreisförmiger Einschnitt. Die Trepanation fand in der Steinzeit nicht nur in Europa, sondern auch auf den anderen Kontinenten weite Verbreitung. Die Kisii, ein Bantu-Stamm in Westafrika, wenden dieses Operationsverfahren noch heute an.

Krankheiten, die auf keine äußerliche Ursache zurückzuführen waren, werden als Einfluss von übernatürlichen Kräften und Wesen verstanden. Die so genannte Dämonologie (ca. 2000 Jahre v. Chr.) besagt, dass Dämonen und Geister diese Krankheit verursacht haben. Oftmals hören wir heute noch, wenn jemand erkrankt ist: „Warum bin ich mit dieser Krankheit gestraft…“ oder auch bei ungewöhnlichem Verhalten wird gefragt: „Welcher Geist hat dich denn geritten?“ Durch religiöse Gesetze und das Einhalten von gesellschaftlichen Regeln –so die Annahme- habe sich der Mensch vor den Dämonen schützen können. Aufgrund dieses Verständnisses entwickelte sich der Exorzismus, um letztlich Dämonen auszutreiben. In der Antike werden bereits psychische Störungen wie Melancholie, Manie, Demenz, Hysterie, Wahnvorstellungen und Halluzinationen beschrieben. Hippokrates (460-377 v. Chr.) – ein bedeutender griechischer Arzt- geht davon aus, dass die Funktionsweisen des Gehirns als Ursache für bestimmte Erkrankungen sind. Seine Lehre von den inneren Säften hat die Psychologie nachhaltig beeinflusst, die vier Temperamente sind auf die vier Säfte im menschlichen Körper zurückzuführen:
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Choleriker –gelbe Galle-: starke Impulse, nach außen gerichtet ; -Melancholiker –schwarze Galle-: Anspannung, nach innen gerichtet
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Sanguiniker – Blut-: schwache, wechselnde, gelöste nach außen gerichtet; -Phlegmatiker –Schleim-: schwache, langsam wechselnde nach innen gerichtet

Areatus (50-130 n. Chr.) beschreibt bereits emotionale Probleme als Ursache für gestörtes Verhalten. Galen (130-200 n. Chr.) unterscheidet Erkrankungen deutlich zwischen emotionalen Störungen (existenzielle Sorgen und Liebesentzug) und medizinischen Ursachen (Kopfverletzungen und Vergiftungen).

Im Mittelalter kehrt mit dem Untergang des Römischen Reiches der Glaube an Dämonen und Besessene zurück. Der Exorzismus wird bedeutsam durch bestimmte Rituale: Bitten, Singen, Beten, Weihwasser, Beleidigung des Teufels oder auch Folter, Hungern, Auspeitschen, Verbrühen oder Strecken glaubte man den Teufel aus dem Körper des Gequälten vertreiben zu können. In der Renaissance entwickelt sich ein neues Verständnis von Erkrankungen, die Psyche (Geist) und Soma (Körper) werden als zwar zusammengehörig aber doch auch deutlich getrennt betrachtet, es entstehen die ersten Konzepte der Psychosomatik. Der deutsche Arzt Johann WEYER (1515-1588) gilt heute als Begründer der modernen Psychopathologie. Im 13. Jahrhundert entstehen die ersten Asyle / Irrenhäuser z.B. das Bethlehem Hospital in London („Bedlam“), die „La Bicêtre“ (nur für Männer) in Paris, ähnliche Anstalten auch in Wien (Narrenturm) und Spanien. Im 19. Jahrhundert veränderte sich das Verständnis von psychischen Erkrankungen deutlich. In Europa leitete Philippe PINEL 1793 die Loskettung der Irren in Paris die weltweite Bewegung eines humanitären Umgangs ein. Die so genannte Moralische Behandlung forderte die „Irren/Verrückten“ wie Menschen zu behandeln, die krank sind. In Paris wurde analog zur La Bicêtre (nur für Männer) die La Salpetrière (nur für Frauen) reformiert.

In den USA veröffentlichte der Vater der amerikanischen Psychiatrie, aus dem Pennsylvania Hospital, Benjamin RUSH 1812 die erste amerikanische Abhandlung über psychische Erkrankungen. Die Bostoner Lehrerin Dorothea DIX kämpfte von 1841-1881 für Reformen und bessere Bedingungen für psychisch Kranke, was schließlich zu neuen Gesetzen und zur Bewilligung von Geldern für eine entsprechende Behandlung führte. In der Folge wurde jeder Staat verpflichtet, öffentliche psychiatrische Landeskrankenhäuser zu schaffen.

Das Verständnis von Krankheiten des Geistes, des Gehirn und der Psyche werden umfassender und differenzierter, die somatogenen und psychogenen Sichtweisen verändern und fördern die Nervenheilkunde, die Psychiatrie und die beginnende Psychotherapie. Auf der somatogenen Ebene beschreibt Franz Joseph GALL (1758-1828) die Phrenologie (Lehre vom Schädel) das Gehirn bestehe aus unterschiedlichen Teilen, die jeweils für einen anderen Aspekt der Persönlichkeit zuständig sind. Der deutsche Arzt Emil KRAEPELIN (1856-1926) ging davon aus, dass physische Faktoren für psychische Störungen verantwortlich sind, er entwarf die erste Klassifikation der Geisteskrankheiten (Syndrome, organische Ursachen und Verlauf). Die somatogene Sichtweise wurde zudem beeinflusst durch eine Reihe von biologischen und anatomischen Entdeckungen, z.B. die Erkenntnis des deutschen Neurologen KRAFFT-EBBING 1897, dass die Progressive Paralyse (Irreversible Störungen mit Lähmungen und Größenwahn) auf die organische Erkrankung der Syphilis zurückzuführen ist. 1905 entdeckt der Zoologe Fritz SCHAUDINN, dass der Mikroorganismus Treponema pallida ursächlich für die Syphilis ist und das diese wiederum im Spätstadium zur Progressiven Paralyse führt. Solche Erkenntnisse führten im Laufe der Geschichte und bis heute (Fortschritte in der Gehirnforschung und Psychopharmaka) immer wieder zu Optimismus, dass sich doch letztlich alles irgendwie organisch manifestiert sei und sich entsprechend durch organische Veränderungen heilen ließe. Daraus resultierten aus heutiger Sicht völlig unsinnig anmutende und als unwirksam erwiesene Behandlungsverfahren, wie: Zahnextraktion, Tonsillektomie (Entfernung der Mandeln), Hydrotherapie mit kalten heißen Wechselbädern, Insulinschock, Lobotomie etc. Die somatogene Sichtweise führt Mitte des 20. Jh. durch die Entdeckung wirksamer Medikamente für bestimmte Stoffwechselstörungen im Gehirn bei somatogen bedingten Störungen zu einer Symptomlinderung. Die psychogene Sichtweise hat ihre Ursprünge in den philosophischen Erkenntnissen, die sich mit den Grundfragen des SEINS und des WESENS des Menschen in Form der Tugendlehre und Sittenlehre auseinandersetzten. CICERO (106-43), der bereits die Ansicht vertrat, dass psychische Störungen körperliche Leiden verursachen können, und Galen (130-200 n. Chr.) führt medizinische und emotionale Ursachen für psychische. Störungen an. Die psychogene Ebene gewinnt durch die Untersuchungen der Hypnose am Ende des 19. Jh. an Bedeutung. Friedrich Anton MESMER (1734-1815) so gennate Mesmerismus gilt als Vorläufer der Hypnose, er glaubte an das Vorhandensein und die Beeinflussbarkeit (Ausrichtung) sog. magnetischer Felder mit Hilfe von Eisenstäben, womit er beispeilsweise hysterische Störungen heilte. Der Pariser Neurologe Jean CHARCOT (1825-1893) glaubte ursprünglich, hysterische Störungen seien das Ergebnis einer Degeneration von Gehirnteilen. Als jedoch französische Ärzte zeigen konnten, dass sich unter Hypnose bei ansonsten völlig normalen Personen hysterische Störungen bewusst hervorrufen ließen, gab er seine Position allmählich auf und sah hysterische Störungen als durch psychologische Prozesse verursacht an. Der Arzt Josef BREUER (1842-1925) linderte durch freies Sprechen über frühere Traumen unter Hypnose hysterische Symptome. Der Begründer der Psychoanalyse Sigmund FREUD (1856-1939) revolutioniert das therapeutische Vorgehen durch neue Therapiekonstrukte, dabei postuliert er normale und gestörte psychische Funktionsweisen sind psychogenen Ursprungs, psychische Probleme entspringen einem Konflikt zwischen mächtigen psychologischen Prozessen auf unbewusster Ebene. Weitere wichtige Personen, die die heutige Psychotherapie maßgeblich beeinflusst haben sind u.a.: Alfred ADLER, C.G. JUNG; Wilhelm REICH, Carl ROGERS, Fritz PERLS, Virgina SATIR.

Wir unterscheiden heute:
Tiefenpsychologie: Psychoanalyse, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Individualpsychologie, Analytische Psychologie, Körperorientierte Therapie
Humanistische Psychologie: Klientenzentrierte Psychotherapie, Transpersonale Psychologie, Integrale Psychologie (Ken WILBER)
Systemische Ansätze: Gruppepsychotherapie
Verhaltenstherapie: Klassische Verhaltenstherapie, Kognitive Verhaltenstherapie


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