Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie an sich gibt es nicht. Es gibt eine Ansammlung von Theorien und bewährten Methoden bestimmte psychische Störungen gezielt anzugehen. In der Entwicklung kann sie auf fast einhundert Jahre Forschung zurückgreifen, auch wenn sie erst seit ca. 50 Jahren therapeutisch Anwendung findet. Der Therapeut wählt seine Methoden aus. Das Spektrum ist sehr breit. Der Therapeut ist in der Rolle des Trainers aktiv an der Therapie beteiligt.

Ihren Ursprung hat die Verhaltenstherapie in der Lerntheorie. (siehe Geschichte der Verhaltenstherapie). Die klassische Verhaltenstherapie gibt es nicht mehr, da sie immer weiter entwickelt wurde.

Verhaltenstherapeuten gehen davon aus, dass jedem Verhalten, also auch problematische Verhaltensweisen, ein Lernprozess zugrunde liegt. Verhalten, das gelernt wurde, kann auch wieder verlernt werden. Problematisches Verhalten zu "verlernen" ist somit einer der Inhalte von Verhaltenstherapie sowie neue und förderlichere, angemessenere Verhaltensweisen zu trainieren.

  • Der Begriff Verhaltenstherapie (VT):
    stammt aus den 50er Jahren, als in der angloamerikanischen Psychologie noch die behavioristische, streng verhaltensbezogene Sicht psychischer Prozesse vorherrschte. Sie verstand sich als Anwendung der behavioristischen Lerntheorien. Durch die kognitiven Wende (1970) wurde die VT erweitert und reformiert.

Unter Verhaltenstherapie (VT) verstehen wir heute:
eine interaktionelle Hilfestellung beim Problemlösen zur Förderung der Selbsthilfekompetenz einer hilfesuchenden Person, basierend auf den Erkenntnissen der gesamten empirischen Psychologie und der Psychotherapieforschung.

  • Merkmale der Verhaltenstherapie


Ziele

- Abbau von Problemverhaltensweisen und Symptomen
- Aufbau angemessener Denk- und Verhaltensweisen
- Verbesserung der individuellen Funktionsfähigkeit,
Selbstkontrolle Eigensteuerung

Ansätze

- Beschreibung und Erklärung der psychischen Störung,
psychosomatische Zusammenhänge und Reaktionen,
Abfolge der Wahrnehmung, Interpretation, Physiologie,
Emotionen und des Verhaltens
- Erklärung und Beschreibung der Symptomatik auf dem
Hintergrund der Lernerfahrungen, sozialer Kontext
- Modifikation der aufrechterhaltenden Bedingungen der
Symptomatik
- kontrolliertes systematisches Vorgehen und
Effektkontrolle
- Multimodaler Behandlungsplan
- Gezielte und bewährte Methoden zur
Symptomveränderung

Menschenbild

- aktiver und eigenverantwortlicher Patient/Klient
- Therapeut in der Rolle des Dozenten und Trainers
- Der Mensch ist ein sich selbst steuerndes, aktives und
planvoll handelndes Individuum.
- Der Mensch kann Einfluss auf seine Umwelt nehmen,
verändern oder sich auch entziehen.
- Mensch-Umwelt vielfältige Wechselwirkungen,
Rückkopplungen, Regelkreise
- Der Mensch hat selbst eine komplexe
Hintergrundgeschichte, persönliche Entwicklung

Verhaltensbegriff

- umfasst beobachtbares Verhalten, emotionale
Aspekte, kognitive Prozesse, physiologische
Reaktionen sowie die Bedeutung des sozialen
Kontextes

  • Grundprinzipien der Verhaltenstherapie (SCHMELZER 1985; KANFER et al.1991; MARGRAF 1996; GRAWE 1998)
    -
    Orientierung an empirischer Psychologie
    - Verhaltensorientierung
    - Störungsorientiert (symptombezogene Behandlungsstrategie)
    - Zielgerichtetheit (Festlegung der einzelnen Zielebenen)
    - Problemlöseorientierung
    - Handlungs- und Bewältigungsstrategien
    - Selbststeuerung (Selbstmanagement, Förderung der Selbständigkeit)
    - Selbstverantwortung und Eigenaktivität des Patienten
    - Transparenz und Erklärung der therapeutischen Abläufe
    - Kooperative Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut und Klient
    - Emanzipatorisches Menschenbild
    - Lern- und Erfahrungsorientierung
    - Gegenwartsorientierung
    - Bezug zur „wissenschaftlichen“ Vorgehensweise
    - Verpflichtung zur Erfolgsüberprüfung und Evaluation
    - Anwendungsorientierte Diagnostik
    - Hypothesenleitung und ergebnisorientiertes Optimieren

Der Therapeut und der Patient übernehmen in dem verhaltenstherapeutischen Arbeitsbündnis eine aktive Rolle ein, beide sind bemüht konkret und transparent an der Veränderung zu arbeiten. Neben der Vermittlung um Faktenwissen über die Symptomatik, deren Entstehung mit den Konsequenzen von Rückzug und Vermeidung sowie deren Aufrechterhaltung auf dem Hintergrund der lebensgeschichtlichen Entwicklung werden durch gezielte Übungen z.B. in Form von schriftlichen Ausarbeitungen, Tages- und Symptomprotokolle, konkrete Verhaltensanweisungen und Rollenspielen ein neues Verhalten trainiert, wobei der Therapeut die Vorgaben macht und der Patient das Tempo bestimmt.


Basiswissen zur VT

Links zu weiterführenden Informationen:

 

Überblick Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapie 1

Verhaltenstherapie 2